Karriereturbo mit Fehlzündung
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,673557-2,00.html
Hier ein Training, dort eine Zusatzqualifikation, rund um die Uhr erreichbar. So sammelt man Fleißkärtchen - und macht den Beruf zum Hamsterrad.
Mit mildem Spott denken wir an unsere Väter mit ihren Stechuhren und geheiligten Feierabenden. Dieser graue Angestelltentypus ist passé, schreibt Jakob Schrenk im Buch "Die Kunst der Selbstausbeutung": Nun sollen wir zur Marke werden, "zum aktiv-dynamischen, selbst-enthusiasmierten Marktteilnehmer".
Noch bis Mitte der Achtziger war ein Job vor allem etwas, das man zu erledigen hatte. Das änderte sich, als in den späten achtziger Jahren die Ideen der 68er - das Recht des Einzelnen auf Selbstbestimmung und -entfaltung - den gesellschaftlichen Mainstream eroberten. Der Wille (und die Erwartung von außen), etwas ganz Besonderes aus sich selbst zu machen, die stärkere Übernahme von Verantwortung als Unternehmer des eigenen Selbst - hier ist der Ursprung. Und: Wer Spaß an der Arbeit hat, arbeitet auch mehr, besser, effizienter. Anstatt den Chef mit "Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht"-Sprüchen zu nerven, erhöht er die Rendite.
Etwas Merkwürdiges war geschehen: Die ihrem Wesen nach antikapitalistische Haltung der 68er, ihr Individualismus und ihre Selbstfindungsorgien ließen sich ausgerechnet mit dem "Immer mehr, immer schneller" des Kapitalismus kombinieren. Buchautor Schrenk beschreibt das Phänomen so: "Wenn junge Banker oder Architekten heute über ihren Beruf reden, dann verwenden sie beinahe dieselben Wörter wie die Hippies in Woodstock: Selbstverwirklichung, besseres Leben, Glück, Veränderung und Spaß." Love and Peace als Mittel zur Steigerung der Produktivität.
"Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht man ein inneres Anliegen, eine Leidenschaft, die nichts mit Geld oder Karrierezielen zu tun hat", sagt Top-Management-Coach Dorothee Echter. Es geht darum, das, worin man gut ist, weiterzuentwickeln. Das bringt mehr, als externe Vorgaben zu erfüllen und an Musterlebensläufen zu feilen. Platt formuliert: Stärken zu stärken, statt Schwächen auszubügeln. So wird man Weltmeister in einer Sache, statt in vielen Dingen Kreisliga zu spielen.
Hier ein Training, dort eine Zusatzqualifikation, rund um die Uhr erreichbar. So sammelt man Fleißkärtchen - und macht den Beruf zum Hamsterrad.
Mit mildem Spott denken wir an unsere Väter mit ihren Stechuhren und geheiligten Feierabenden. Dieser graue Angestelltentypus ist passé, schreibt Jakob Schrenk im Buch "Die Kunst der Selbstausbeutung": Nun sollen wir zur Marke werden, "zum aktiv-dynamischen, selbst-enthusiasmierten Marktteilnehmer".
Noch bis Mitte der Achtziger war ein Job vor allem etwas, das man zu erledigen hatte. Das änderte sich, als in den späten achtziger Jahren die Ideen der 68er - das Recht des Einzelnen auf Selbstbestimmung und -entfaltung - den gesellschaftlichen Mainstream eroberten. Der Wille (und die Erwartung von außen), etwas ganz Besonderes aus sich selbst zu machen, die stärkere Übernahme von Verantwortung als Unternehmer des eigenen Selbst - hier ist der Ursprung. Und: Wer Spaß an der Arbeit hat, arbeitet auch mehr, besser, effizienter. Anstatt den Chef mit "Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht"-Sprüchen zu nerven, erhöht er die Rendite.
Etwas Merkwürdiges war geschehen: Die ihrem Wesen nach antikapitalistische Haltung der 68er, ihr Individualismus und ihre Selbstfindungsorgien ließen sich ausgerechnet mit dem "Immer mehr, immer schneller" des Kapitalismus kombinieren. Buchautor Schrenk beschreibt das Phänomen so: "Wenn junge Banker oder Architekten heute über ihren Beruf reden, dann verwenden sie beinahe dieselben Wörter wie die Hippies in Woodstock: Selbstverwirklichung, besseres Leben, Glück, Veränderung und Spaß." Love and Peace als Mittel zur Steigerung der Produktivität.
"Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht man ein inneres Anliegen, eine Leidenschaft, die nichts mit Geld oder Karrierezielen zu tun hat", sagt Top-Management-Coach Dorothee Echter. Es geht darum, das, worin man gut ist, weiterzuentwickeln. Das bringt mehr, als externe Vorgaben zu erfüllen und an Musterlebensläufen zu feilen. Platt formuliert: Stärken zu stärken, statt Schwächen auszubügeln. So wird man Weltmeister in einer Sache, statt in vielen Dingen Kreisliga zu spielen.
tankwarth - 26. Jan, 19:36
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