Zu gut fürs Bett
Von Constantin Seibt
Memo von: Pater Maunzinger
An: Alle einsamen Herren
Ihr Problem: Sie schaffen es nicht, die Dame Ihres Herzens zu verführen oder zu halten.
Die Lage: Zunächst stellt sich die Frage, warum ausgerechnet ein Priester über Frauen Bescheid wissen soll. Die historisch fundierte Antwort lautet: wer sonst? Wer, fragte sich der Professor für mittelalterliche Mystik, Alois Haas, war im Mittelalter der beste Liebhaber: der Ritter, der Bauer oder der Priester? Natürlich der Letztere. Während Ritter und Bauern ungebildete, oft grobe Kerle waren, hatten Priester das entscheidende erotische Plus: Sie hörten – schon von Berufs wegen – zu. Sie interessierte nicht nur der Körper, sondern auch die Seele der Frau.
Noch heute ist es der schlimme Irrtum unerfahrener Liebender, man verliebe sich in Leute, die grossartig wären: also bewundernswert reich, schön, tatkräftig oder brillant. Das stimmt nicht: Bewundernswerte bewundern wir nur. Und fühlen uns im fremden Glanz ein wenig hässlich. Stolze Naturen sinnen gar auf Rache.
Das gilt gerade für Perfektion. Ein guter Freund von mir, charmant, klug, glücklich verheiratet, erlebt etwa drei wirklich grosse, inspirierte Abende pro Jahr: Dann sind alle Gedanken frisch, kühn, frech – und seine Frau ist den ganzen Abend begeistert. Das sind genau die drei Abende pro Jahr, an denen sie mit Kopfweh zu Bett geht. Und er auf dem Sofa schläft. Zu Recht: Es war seine Show allein. Auch brillante Monologe stossen ab.
Mein Rat: Sicher, Simone de Beauvoir hat Recht mit dem Satz: «Der Mensch ist ein sprachbegabtes Tier und wird sich immer durch das Wort verführen lassen.» Fragt sich nur, wessen Worte. Viel eher, als dass wir uns in blendend gelaunte, gutaussehende, kluge Menschen verlieben, verlieben wir uns in Menschen, mit denen wir blendend gelaunt, gutaussehend und klug sind. Wenn man spätnachts einer Frau gegenübersitzt und nichts sagt als: «Ja?», «Wirklich?», «Und dann?», wird man nicht allein nach Hause gehen. Es ist der Klang der eigenen Stimme, der am zuverlässigsten verführt.
PS: Männer werden fast nie wegen Katastrophen wie Glatze oder Karriereknick verlassen. Sondern aus Mangel an regelmässigen Rosen, begabten Ohren und Ideen für den Wochenendausflug. Casanova dazu: «Die Liebe besteht zu drei Vierteln aus Neugier.»
Memo von: Pater Maunzinger
An: Alle einsamen Herren
Ihr Problem: Sie schaffen es nicht, die Dame Ihres Herzens zu verführen oder zu halten.
Die Lage: Zunächst stellt sich die Frage, warum ausgerechnet ein Priester über Frauen Bescheid wissen soll. Die historisch fundierte Antwort lautet: wer sonst? Wer, fragte sich der Professor für mittelalterliche Mystik, Alois Haas, war im Mittelalter der beste Liebhaber: der Ritter, der Bauer oder der Priester? Natürlich der Letztere. Während Ritter und Bauern ungebildete, oft grobe Kerle waren, hatten Priester das entscheidende erotische Plus: Sie hörten – schon von Berufs wegen – zu. Sie interessierte nicht nur der Körper, sondern auch die Seele der Frau.
Noch heute ist es der schlimme Irrtum unerfahrener Liebender, man verliebe sich in Leute, die grossartig wären: also bewundernswert reich, schön, tatkräftig oder brillant. Das stimmt nicht: Bewundernswerte bewundern wir nur. Und fühlen uns im fremden Glanz ein wenig hässlich. Stolze Naturen sinnen gar auf Rache.
Das gilt gerade für Perfektion. Ein guter Freund von mir, charmant, klug, glücklich verheiratet, erlebt etwa drei wirklich grosse, inspirierte Abende pro Jahr: Dann sind alle Gedanken frisch, kühn, frech – und seine Frau ist den ganzen Abend begeistert. Das sind genau die drei Abende pro Jahr, an denen sie mit Kopfweh zu Bett geht. Und er auf dem Sofa schläft. Zu Recht: Es war seine Show allein. Auch brillante Monologe stossen ab.
Mein Rat: Sicher, Simone de Beauvoir hat Recht mit dem Satz: «Der Mensch ist ein sprachbegabtes Tier und wird sich immer durch das Wort verführen lassen.» Fragt sich nur, wessen Worte. Viel eher, als dass wir uns in blendend gelaunte, gutaussehende, kluge Menschen verlieben, verlieben wir uns in Menschen, mit denen wir blendend gelaunt, gutaussehend und klug sind. Wenn man spätnachts einer Frau gegenübersitzt und nichts sagt als: «Ja?», «Wirklich?», «Und dann?», wird man nicht allein nach Hause gehen. Es ist der Klang der eigenen Stimme, der am zuverlässigsten verführt.
PS: Männer werden fast nie wegen Katastrophen wie Glatze oder Karriereknick verlassen. Sondern aus Mangel an regelmässigen Rosen, begabten Ohren und Ideen für den Wochenendausflug. Casanova dazu: «Die Liebe besteht zu drei Vierteln aus Neugier.»
tankwarth - 5. Sep, 11:23
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