Männermarkt
Von Constantin Seibt
Memo von: Pater Maunzinger
An: Vim vom Weltwoche-Internet-Forum
Ihr Problem: Sie bezweifelten meinen Rat von letzter Woche, dass Zuhören die sicherste Art der Verführung ist. Denn Sie bleiben – obwohl ein guter Zuhörer – einsam.
Die Lage: Meine Argumentation lief etwa wie folgt: Wir verlieben uns nicht in Leute, die brillant sind. Sondern in Leute, in deren Gegenwart wir selbst brillieren. Deshalb ist Zuhören höchst verführerisch. Dabei – ich gebe es zu – habe ich etwas unterschlagen: Zur schweigenden Verführung gehört, dass der Verführer auch anders könnte: selbst brillant sein. Nun, Vim, Sie schreiben: «Ich bin selbst ein einsamer Herr, 31, bin nicht hässlich, nicht blöd. Ich bin auch weder besonders auffällig noch reich, noch mächtig, und genau daran liegt’s.» Später stimmen Sie Ihren Freunden im Forum zu: Diese raten «zu mehr Draufgängertum» und zu einem «schicken Cabrio». Gute Tipps, die nicht ganz den Kern treffen: Denn sonst müssten alle cabriolosen Durchschnittsherren um die dreissig unbeweibt sein. Und zum «Draufgängertum»: Wenig ist schlimmer als ein Melancholiker, der sich vorgenommen hat, den Kerl mit melonengrossen Hoden zu spielen.
Und trotzdem hat der Rat etwas: Sie haben sich fast als eigenschaftslos beschrieben. Doch nur Leidenschaft erzeugt Leidenschaft. Das kann direkte Leidenschaft für die Frau Ihres Herzens sein – ebenso anziehend ist Leidenschaft für eine Sache. Selbst wenn es abseitige Dinge wie Philatelie, Marienkult oder Fussball sind: Menschen lieben Menschen, die etwas lieben. Und indirekte Leidenschaft ist für Ihre Würde auch weit ungefährlicher: «Ein Mann, der einem Hut hinterherläuft, ist nicht halb so lächerlich wie ein Mann, der einer Frau hinterherläuft», wusste schon Chesterton.
Mein Rat: Investieren Sie Ihren Lebensmut in eine Sache. Und haben Sie Geduld: Gerade in Ihrem Alter beginnt Ihre Konkurrenz massiv an Kontur zu verlieren. Erfolgreiche verbeissen sich in die Karriere. Erfolglose verbittern. Dritte verschwinden als gute Väter. Vierte versuchen sich an der ewigen Pubertät. Entspannte einsame Männer ohne schweren Hieb werden bald so begehrt sein wie je nur ein Cabrio. Falls Sie nicht verbittert sind, Vim, ist Ihre Zeit so gut wie gekommen.
PS für die Wartezeit: «Alles, was wir mit Wärme und Enthusiasmus ergreifen, ist eine Art der Liebe» (Wilhelm von Humboldt).
Constantin Seibt ist freier Autor in Zürich.
Memo von: Pater Maunzinger
An: Vim vom Weltwoche-Internet-Forum
Ihr Problem: Sie bezweifelten meinen Rat von letzter Woche, dass Zuhören die sicherste Art der Verführung ist. Denn Sie bleiben – obwohl ein guter Zuhörer – einsam.
Die Lage: Meine Argumentation lief etwa wie folgt: Wir verlieben uns nicht in Leute, die brillant sind. Sondern in Leute, in deren Gegenwart wir selbst brillieren. Deshalb ist Zuhören höchst verführerisch. Dabei – ich gebe es zu – habe ich etwas unterschlagen: Zur schweigenden Verführung gehört, dass der Verführer auch anders könnte: selbst brillant sein. Nun, Vim, Sie schreiben: «Ich bin selbst ein einsamer Herr, 31, bin nicht hässlich, nicht blöd. Ich bin auch weder besonders auffällig noch reich, noch mächtig, und genau daran liegt’s.» Später stimmen Sie Ihren Freunden im Forum zu: Diese raten «zu mehr Draufgängertum» und zu einem «schicken Cabrio». Gute Tipps, die nicht ganz den Kern treffen: Denn sonst müssten alle cabriolosen Durchschnittsherren um die dreissig unbeweibt sein. Und zum «Draufgängertum»: Wenig ist schlimmer als ein Melancholiker, der sich vorgenommen hat, den Kerl mit melonengrossen Hoden zu spielen.
Und trotzdem hat der Rat etwas: Sie haben sich fast als eigenschaftslos beschrieben. Doch nur Leidenschaft erzeugt Leidenschaft. Das kann direkte Leidenschaft für die Frau Ihres Herzens sein – ebenso anziehend ist Leidenschaft für eine Sache. Selbst wenn es abseitige Dinge wie Philatelie, Marienkult oder Fussball sind: Menschen lieben Menschen, die etwas lieben. Und indirekte Leidenschaft ist für Ihre Würde auch weit ungefährlicher: «Ein Mann, der einem Hut hinterherläuft, ist nicht halb so lächerlich wie ein Mann, der einer Frau hinterherläuft», wusste schon Chesterton.
Mein Rat: Investieren Sie Ihren Lebensmut in eine Sache. Und haben Sie Geduld: Gerade in Ihrem Alter beginnt Ihre Konkurrenz massiv an Kontur zu verlieren. Erfolgreiche verbeissen sich in die Karriere. Erfolglose verbittern. Dritte verschwinden als gute Väter. Vierte versuchen sich an der ewigen Pubertät. Entspannte einsame Männer ohne schweren Hieb werden bald so begehrt sein wie je nur ein Cabrio. Falls Sie nicht verbittert sind, Vim, ist Ihre Zeit so gut wie gekommen.
PS für die Wartezeit: «Alles, was wir mit Wärme und Enthusiasmus ergreifen, ist eine Art der Liebe» (Wilhelm von Humboldt).
Constantin Seibt ist freier Autor in Zürich.
tankwarth - 12. Sep, 12:49
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