Job

Mittwoch, 10. Juni 2009

2. Accessibility Day

Hier der Link zu meinem Referat am 2. Accessibility Day in Zürich zum Thema "Der Sprung der Generation 55 plus über den digitalen Graben":

http://release.theplatform.com/content.select?pid=jFyrhog8oXawh4WDEcX_B7D8SDS_wpG5

Und hier noch der Link zum Gesamtprogramm:
http://www.ict-accessibility.ch/index.php?id=7

Freitag, 9. Dezember 2005

Versprechen und Versprecher

Von Urs Paul Engeler

Vertrauliche Unterlagen zeigen: Der Bundesrat hat in Sachen Swisscom nicht im Streit, sondern in stillschweigender Einigkeit entschieden. Und den nachfolgenden Aufruhr hat zum grössten Teil die Firmenspitze zu verantworten. Eine Rekonstruktion der Vorgänge.

Während Politiker, Medien und Swisscom-Fürsten noch Überdruck produzieren und von «Informationspannen», «Bundesratskrise», «Destabilisierung», «Chaos» und «Hauruckübung» sprechen, sind alle Fakten zusammen, um das Swisscom-Geschäft des Bundesrates exakt nachzuzeichnen. Die genaue Analyse der Abläufe zeigt, dass der Entscheid der Landesregierung seriös vorbereitet, korrekt, eindeutig entschieden – und wohl richtig war.


Die Vorgeschichte

Konkreter wurde die seit Jahren schwelende Diskussion um die Auslandengagements der Swisscom AG und um die Rolle des Mehrheitsaktionärs Bund im Sommer 2004, als die Swisscom die Mehrheit an der Telekom Austria kaufen wollte. Schon damals wagten es Verwaltungsrat und Management nicht, die delikate Frage ganz allein zu entscheiden. Sie kontaktierten ihren Ansprechpartner im Bundeshaus, Moritz Leuenberger (SP), und suchten Rückendeckung vor dem riskanten Schritt. Doch der Minister sagte, offenbar nach Rücksprache mit Finanzminister Hans-Rudolf Merz (FDP), dezidiert nein. Vor einem parlamentarischen Ausschuss machte Leuenberger am 4. Mai 2005 seine Opposition gegen die geplanten Swisscom-Schritte ins Ausland dann auch sehr transparent: «Persönlich bedauere ich das Scheitern dieser Akquisitionen nicht.»

Das Veto garantierte, dass die Eidgenossenschaft nicht über Nacht in mögliche Strudel der österreichischen Gewerkschafts- und Infrastrukturpolitik hineingezogen wurde. Aber es war keine klarformulierte Strategie, zumal die offiziellen Vorgaben des Bundesrates, die im April 2005 erneuert wurden, davon sprachen, dass «Wachstumschancen im Ausland» genutzt werden sollen, «wenn damit der Unternehmenswert gesteigert werden kann». Wie diese teilweise widersprüchlichen Ziele und Entscheide sowie die Rolle des Bundes neu zu definieren seien, blieb einstweilen offen. Moritz Leuenberger meinte vor den National- und Ständeräten zwar, «der Bund könnte für die Swisscom eine Art Klumpenrisiko darstellen», und warb auch leise für eine «Flexibilisierung» und eine Entflechtung der Beziehungen, mahnte indes zu einer Politik der sachten Schritte.


Der Entscheid wird vorbereitet

Am 31. August 2005 beauftragte der Bundesrat, ohne dass dessen Sprecher Oswald Sigg dies damals der Öffentlichkeit mitgeteilt hätte, formell Leuenbergers Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) und Merz’ Finanzdepartement (EFD), bis Ende Oktober «Abklärungen zur Mehrheitsbeteiligung des Bundes an der Swisscom» vorzunehmen und der Regierung einen konkreten Antrag zu unterbreiten. «In enger Zusammenarbeit» zwischen dem Generalsekretariat Uvek (Hans Werder, SP), der Finanzverwaltung (Peter Siegenthaler, ebenfalls SP) sowie der Spitze von Joseph Deiss’ (CVP) Volkswirtschaftsdepartement wurden die Arbeiten an die Hand genommen. Die Swisscom-Spitze war über diese Pläne vollständig informiert; sie lieferte der Arbeitsgruppe sogar die benötigten Unterlagen und Daten. Sie wusste auch genau, dass der Bundesrat Auslandsbeteiligungen skeptisch beurteilte.

Der Oktober-Termin verstrich. Als Christoph Blocher (SVP) sich Mitte November bei Kollege Merz nach dem Verbleib des angeforderten Berichts erkundigte, antwortete der Finanzminister, es sei «zu spät»: die Swisscom schaffe vollendete Tatsachen. Er sei darüber informiert worden, dass das Unternehmen kurz vor der Übernahme der irischen Eircom stehe; die Sache sei bereits unterschriftsreif.

Den Plan vom 4,2-Milliarden-Deal hatten auch die international tätigen Anleger mitbekommen. Offenbar spekulierten neben Investmentbanken auch Londoner Hedge-Funds auf eine Übernahme der Eircom zu einem sehr hohen, ja zu jedem Preis. Auf jeden Fall stieg der Börsenwert der Aktie, die Ende August noch 1.60 Euro wert war, rasant auf einen Kurs von über 2.40 Euro. Die Swisscom wollte also eine Gesellschaft kaufen, die innert Wochen um 50 Prozent teurer geworden war.


Der konkrete Antrag

Die Zeit drängte plötzlich. Am Dienstag, den 22. November, stellten das Uvek und das EFD mit einem gemeinsamen Briefkopf das zwölfseitige, als «vertraulich» deklarierte Aussprachepapier den andern fünf Departementen zu.

Der Text ist in einem vorsichtig pessimistischen Ton abgefasst. Zwar habe die Swisscom-Aktie sich seit dem Börsengang von 1998 «relativ gut gehalten», sie sei nach der Emission (350 Franken) zwischenzeitlich bis auf 700 Franken geklettert, pendle seither zwischen 350 und 500 Franken und sei derzeit rund 420 Franken wert. Die Gesellschaft habe nach dem Börsengang dem Bund «Einnahmen von 9 Mrd. Franken eingetragen», doch die Aussichten seien nicht eben rosig: «Ein Blick in die Empfehlungen der Börsenanalysten», schrieben die Bundesräte weiter, «zeigt, dass heute nur sehr wenige von ihnen die Titel von Swisscom zum Kauf empfehlen; eine Mehrheit der Analysten empfiehlt ‹halten› und eine starke Minderheit spricht sich für den Verkauf der Aktien aus. Dies dürfte hauptsächlich darauf zurückzuführen sein, dass es der Gesellschaft an Wachstumsmöglichkeiten mangelt und dass die Finanzierungsstruktur suboptimal ist.»

Die von Leuenberger und Merz gezeichnete Schlussfolgerung lautete, es sei «unbestritten, dass im dynamischen Telekommunikationsmarkt eine Flexibilisierung der Bundesmehrheit den strategischen Handlungsspielraum für Swisscom und Bund entscheidend verbessern würde».

Trotz dieser klaren Analyse präsentierte das SP-FDP-Duo dem Gesamtbundesrat zwei Varianten:

Merz drängte «angesichts der beträchtlichen Risiken», denen sich der Bund aussetze, auf einen raschen Abbau der Mehrheitsbeteiligung: «So kann die Übernahme einer ehemaligen staatlichen Monopolistin durch die staatlich dominierte Swisscom zu politischen Implikationen führen.» Auch werde der Verkauf der Swisscom dem Bund eine stattliche Summe eintragen, die für den Schuldenabbau eingesetzt werden könne: «Es besteht ein erhebliches Risiko, dass der Erlös aus einem späteren Verkauf geringer ist.»

Das Uvek argumentierte weniger aus prinzipiellen und politischen Gründen gegen einen Verkauf der Beteiligung, sondern listete vor allem Gründe gegen die Lancierung der Vorlage «im heutigen Zeitpunkt» auf: Der Termin sei politisch ungünstig; andere, dringlichere Vorlagen zur Marktöffnung könnten «belastet» werden. Die «emotionale Bedeutung der ehemaligen Regiebetriebe» sei nicht zu unterschätzen. Doch «längerfristig», räumte auch Sozialdemokrat Leuenberger ein, sei der Handlungsbedarf ausgewiesen. «Nach Meinung des Uvek spricht das heutige politische und wirtschaftliche Umfeld für die Verschiebung einer Vorlage auf die nächste Legislaturperiode.»


Blochers Druck

Noch am gleichen Tag, am 22. November, schickte Justizminister Christoph Blocher, der seit Monaten auf diese Aussprache gedrängt hatte, seinen knapp gehaltenen «Mitbericht» ab. Er umfasste auf einer A4-Seite drei Forderungen, die geeignet waren, einen raschen und klaren Entscheid herbeizuführen.

Der erste Antrag zielte darauf, die übervolle Swisscom-Kasse zu entleeren: «Der Bundesrat weist in seiner Funktion als Mehrheitsaktionär die Swisscom an, die freien Eigenmittel für einen Aktienrückkauf bzw. die Ausschüttung von Dividenden einzusetzen [...].»

Der zweite Antrag wollte die Swisscom in letzter Minute daran hindern, die irische Eircom zu kaufen, da dieses Engagement für den Bund «zu einer politischen Hypothek werden» könnte: «Der Bundesrat weist in seiner Funktion als Mehrheitsaktionär die Swisscom an, auf eine Investition bei einer ausländischen Telekommunikationsunternehmung zu verzichten. Im Falle einer Nichtbeachtung dieser Anweisung ist eine Verantwortlichkeitsklage gegen die Mitglieder von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung in Aussicht zu stellen.»

Blochers dritter Antrag unterstützte den von Merz etwas zögerlich vorgetragenen Rückzug des Bundes aus der Position des politisch dominierenden Mehrheitsaktionärs: «Es ist unverzüglich eine Vorlage zur Revision des Telekommunikationsunternehmungsgesetzes einzuleiten. Inhalt der Vorlage ist die Möglichkeit des vollständigen Rückzugs des Bundes aus seiner Beteiligung an der Swisscom. Das EFD wird beauftragt, dem Bundesrat bis Ende 2005 eine Vernehmlassungsvorlage zu unterbreiten.»


Die Sitzung

Die Debatte des Geschäftes verläuft ruhig. Merz referiert. Blocher stösst nach, erläutert sein Konzept. Deiss und Pascal Couchepin (FDP) unterstützen den SVP-Mann. Leuenberger, leicht distanziert bis desinteressiert wie meist, sagt nur, man wisse ja, dass er eigentlich im Moment nichts verändern wolle. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (SP) erkundigt sich nach den Auswirkungen auf den Börsenkurs. Als Bundespräsident Samuel Schmid die Runde fragt, ob jemand gegen die drei Vorschläge von Kollege Blocher sei, stellt Moritz Leuenberger keinen Gegenantrag. Es wird dreimal ohne Abstimmung und ohne redaktionelle Änderungen Blochers Texten stillschweigend zugestimmt. Nach dem Entscheid geht man gemeinsam essen. Kein Ton von Streit.


Die Kommunikation

Der Bundesrat hatte überdies beschlossen, vorerst nur die Beschlüsse 1 (Rückzahlung der überflüssigen Eigenmittel an die Aktionäre) und 3 (geplanter Verkauf der Mehrheitsbeteiligung) bekannt zu machen. Am Donnerstag, den 24. November, um 7 Uhr publizierte das Finanzdepartement das Communiqué; um 11 Uhr erläuterte Merz die beiden Beschlüsse vor der Presse.

Beschluss 2 (das Verbot von Auslandengagements) wurde vorerst geheim gehalten, um die Swisscom vorgängig ins Bild setzen zu können. Noch am Mittwochabend von 19.30 bis 20 Uhr erklärte Merz den Entscheid dem Präsidenten des Verwaltungsrats, Markus Rauh, der eine schriftliche Bestätigung forderte. Diese wurde dem Vertreter des Bundes im Ausschuss, Felix Rosenberg, am Donnerstagnachmittag in Bern überreicht. Das Departement ging davon aus, dass die Swisscom die Öffentlichkeit informiere. Unerklärlicherweise und gegen alle Regeln hielt die Swisscom diese börsenrelevante Mitteilung am Donnerstag und am Freitag aber konsequent unter dem Deckel.

Der Finanzplatz London kombinierte rascher: Wenn der Bund der Swisscom die Mittel entzieht und sich aus seiner Mehrheitsposition zurückzieht, dann ist auch das Eircom-Geschäft blockiert. Die Kurse der Gesellschaft begannen zu bröckeln.

Am Donnerstagabend gab Blocher Radio DRS ein Interview, das erst zwei Tage später in der «Samstagsrundschau» ausgestrahlt werden sollte. In diesem Gespräch plauderte er das Auslandverbot aus. Gut möglich, dass er die Swisscom so unter Druck setzen wollte. Die brisante Neuigkeit, die noch nicht über den Sender gegangen war, machte am Freitag in Journalistenkreisen die Runde. EFD-Sprecherin Elisabeth Meyerhans Sarasin sah sich mit einem «qualifizierten Leck» konfrontiert, wie sie sagt, und musste das bundesrätliche Veto bestätigen.


Die Reaktionen

Die Finanzmärkte reagierten am heftigsten. Die wohl künstlich aufgeblähte Eircom-Aktie sackte auf 1.90 Euro (minus 21 Prozent) ab. Die Anleger, die auf eine Hausse spekuliert hatten, verloren ihr Geld. Gemäss Gerüchten an den Börsen rächten sie sich durch massive Leerverkäufe der Swisscom-Papiere. Nach diesem provozierten Kurssturz (von 423 auf das Tiefst von 399 Franken) haben die Swisscom-Kurse sich mittlerweile erholt und notieren wieder im langfristigen Schnitt bei rund 417 Franken. Die Entscheide hatten den Wert der Gesellschaft nicht verändert.

Am lautesten und am harmlosesten lärmten die Politiker. Ein reales Problem haben nur Joseph Deiss, der dezidiert eine andere Politik vertritt als Doris Leuthard, die Präsidentin seiner Partei CVP, und Moritz Leuenberger. Der SP-Mann, der von allem Anfang an beteiligt war am Privatisierungsprozess und aus Gründen seines schlechten Gewissens zunächst geschwiegen hatte, geriet unter massiven Druck der Genossen. Nach seiner apathischen Darbietung im Bundesrat versuchte er mit seiner durchsichtigen Attacke auf Merz den Befreiungsschlag. Erheblich ist das Geplänkel nicht. Politisch ebenso belanglos war die heftige Bundesratssitzung vom vergangenen Freitag, als die plötzlich nervös gewordenen Magistraten sich gegenseitig mit Vorwürfen eindeckten und beschlossen, ihre Art der öffentlichen Kommunikation zu überprüfen. Ein Nebengeleise ins Niemandsland.

Am unflätigsten gebärdeten sich der (vom Bundesrat gewählte) Verwaltungsrat und das Management der Swisscom, die sich als ahnungslose Opfer darstellten und – ein geradezu grotesker Vorgang – den Inhaber ihrer Firma öffentlich beschimpften. Mit ihrem Ausraster haben sie tiefgreifende personelle und strukturelle Veränderungen in den Beziehungen zwischen Eigner und Firmenleitung geradezu unumgänglich gemacht.

Zu dumm für die Globalisierung

Von Kurt Schiltknecht

Swisscom zeigt: Der Mangel an Wirtschaftswissen ist bei sehr vielen Politikern katastrophal.

Wie steht es eigentlich um die wirtschaftlichen Kenntnisse der Stimmbürger und der Politiker? Diese Frage ist deshalb so wichtig, weil in einer Demokratie häufig über Fragen entschieden werden muss, die für das Wachstum und die Beschäftigung von zentraler Bedeutung sind. Über die Kenntnisse der Bürger und Politiker weiss man wenig. Dass in den Schulen keine Anstrengungen gemacht werden, den Schülern elementare Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass einzelne Massenmedien Wirtschaftspolitik mit auflage- oder zuschauerverstärkender emotionaler Stimmungsmache verwechseln. Das Ergebnis der wirtschaftspolitischen Entscheidungen in den europäischen Industriestaaten – hohe Arbeitslosigkeit, wenig Wachstum und Überschuldung des Staates – lässt vermuten, dass es mit den wirtschaftlichen Kenntnissen der Bürger und Politiker nicht zum Besten bestellt ist. Warum, muss man sich fragen, ist in den letzten dreissig Jahren das Verständnis für die Anliegen der Wirtschaft immer mehr verloren gegangen, und warum finden wirtschaftsfeindliche und wachstumszerstörende Anliegen immer breitere Unterstützung?

Ein Grund liegt sicher darin, dass der einzelne Bürger sich immer weniger mit fundamentalen wirtschaftlichen Fragen beschäftigen muss. Im Zeitalter eines umfassenden Sozialstaates muss sich der einzelne Bürger nicht mehr um seine Zukunft, um seine Altersvorsorge, um eine mögliche Erkrankung oder Arbeitslosigkeit kümmern. Die Entscheidung über die Verwendung von rund fünfzig Prozent seines Einkommens wird ihm vom Staat abgenommen. Zudem gibt es immer weniger Selbständigerwerbende und Bauern, die sich um Investitionen, Produktion und das Gewinnerzielen kümmern müssen und damit noch wissen, dass sie auf die Dauer nicht mehr ausgeben als einnehmen können.

Der Volkswohlstand, der in der Vergangenheit dank einer liberalen Wirtschaftsordnung erzielt worden ist, scheint nach Ansicht vieler Politiker und Bürger inzwischen so gross geworden zu sein, dass daraus alle Bedürfnisse der nächsten Jahre problemlos befriedigt werden können. Die Umverteilung und die Defizite der öffentlichen Hand lassen zudem die Kosten der staatlichen Vorsorge und Dienstleistungen für die meisten Bürger so billig erscheinen, dass sie eine immer grösser werdende Nachfrage nach solchen Gütern und Dienstleistungen entwickeln. Ausdruck dieses Denkens ist der Versuch, jede Veränderung der bestehenden Strukturen der öffentlichen Verwaltung und der öffentlichen Unternehmungen zu verhindern und gleichzeitig den sogenannten Service public auszubauen oder zumindest auf dem aktuellen Stand zu zementieren. Insbesondere die SP und Teile der CVP setzen sich für einen flächendeckenden und qualitativ hochstehenden Service public ein. Wer könnte schon gegen so schöne Anliegen sein. Solche populären Forderungen zu formulieren, kostet im Gegensatz zu deren Umsetzung nichts.

Es ist bedenklich, wenn Politiker den Stimmbürgern immer wieder suggerieren, dass Service public mehr oder weniger kostenfrei zu haben sei und deshalb für die gesamte Volkswirtschaft nur Vorteile erbringe. Das Gegenteil trifft zu, das Ausschliessen des Wettbewerbs und die staatlichen Eingriffe in den Preismechanismus führen zu einer ineffizienten und teuren Versorgung mit öffentlichen Gütern und Dienstleistungen und belasten Bürger und Wirtschaft. Doch davon wird nie gesprochen.

Wer den Argumenten der linken Kreise bei den Diskussionen über den Verkauf der Swisscom-Beteiligung zuhört, bekommt den Eindruck, dass nur die öffentliche Hand als Grossaktionär Gewähr für einen umfassenden und funktionierenden Telefonservice bieten kann, dass die Swisscom stets den besten und billigsten Service offerieren werde und trotzdem künftig Milliardengewinne für die öffentliche Hand erwirtschaften könne. Solche statischen und politisch motivierten Wunschvorstellungen können aber die wirtschaftliche Realität nicht verdrängen. Die Tatsache, dass dank der Privatisierung die Telefongebühren dramatisch gesunken sind und damit Millionen von Telefonkunden mehr Geld für anderes zur Verfügung hatten, scheint ein Teil der Politiker bereits vergessen zu haben. Die Schweiz kann es sich in einer globalisierten Welt nicht mehr leisten, für den Service public zu hohe Preise zu bezahlen und staatliche Unternehmungen zu unterhalten, die altgedienten Politikern die Möglichkeit geben, als Verwaltungsräte oder als Manager ein Zubrot zu verdienen.


Kurt Schiltknecht ist Mitglied des Verwaltungsratsder BZ Gruppe Holding, der BZ Bank, der BZ Trust und der Walter Meier Holding.

Tuut, tuut, tuut nix

Von Peter Bodenmann


Stich ins Herz. Bild: Niklaus Spoerri (remote.ch)


Der Bundesrat kontrolliert 66 Prozent der Swisscom-Aktien. Während Jahren kümmerte sich unser aller Mehrheitsaktionär einen Dreck um die Strategie der Swisscom. Die digitalen Analphabeten im Bundeshaus liessen Management und Verwaltungsrat machen, was sie wollten. Im letzten Moment zog der Bundesrat jetzt die Handbremse. Die Swisscom darf nicht im Ausland investieren. Und soll so schnell wie möglich verkauft werden.

Der Entscheid hat zwei Vorteile. Der Schritt nach Irland hätte unweigerlich zur Privatisierung des Unternehmens geführt. Und ab jetzt muss der aus dem Tiefschlaf erwachte Mehrheitsaktionär sagen, wie es weitergeht.

In Zukunft kann man über eine Leitung fernsehen, internetten, telefonieren und sich alle Filme dieser Welt herunterziehen. Am besten geht dies über ein Glasfasernetz, am langsamsten über das Kupferkabel. Mit einer Investition von zwei bis drei Milliarden könnte die Swisscom innert zwei Jahren alle Haushalte mit einem Glasfaseranschluss versorgen. Im Wettbewerb der Standorte würde die Schweiz so Boden gutmachen.

Statt diese unternehmerische Verantwortung zu stemmen, will der Bundesrat den Laden so schnell wie möglich ans Ausland verramschen. Seine Chancen beim Volk sind gleich null. Begriffen hat dies – im Gegensatz zum freisinnigen Parteipräsidenten Pelli – die CVP. Deren Präsidentin Doris Leuthard im O-Ton: «Ein Verkauf an fremde Investoren könnte zu einem weiteren personellen Aderlass führen. Das wollen wir nicht riskieren.» Die Liebe zum Service public mischt sich bereits mit einer Prise Fremdenfeindlichkeit. Mit dieser Mischung gewinnt man in der Schweiz jede Abstimmung. Umso mehr als die Swisscom hoch rentabel ist.

Warum haben Schmid, Deiss und Couchepin für die Privatisierung gestimmt? Es geht ihnen gar nicht um die Swisscom. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit beschweren sich Blocher und Merz bei der Wirtschaft über ihre drei Bundesratskollegen. Das seien gar keine richtigen Bürgerlichen. Jetzt lässt das Trio die beiden laufen.

Eine Frage bleibt vorerst offen: Laufen Blocher und Merz bereits im Parlament auf? Oder kommt es – kurz vor den eidgenössischen Wahlen – zu einer Volksabstimmung? Alles hängt von der CVP ab. Vielleicht kann und will Doris Leuthard ihre Rechtsausleger gar nicht auf Kurs zwingen.

Denn politisch wäre für die sich vornehm zurückhaltenden Schmid, Couchepin und Deiss eine Volksabstimmung ideal. Selbst die SVP-Bauern würden aus Angst vor WTO und EU geschlossen gegen den Ausverkauf der Swisscom an das böse Ausland stimmen. Der Hinterletzte in der Wirtschaft und in deren Blättern würde begreifen, dass Strukturwandel in der direkten Demokratie nur mit den und nicht gegen die Bürger zu machen ist.

Nach einem Nein des Volkes wäre Blocher geschwächt, obwohl er mit seinem Nein zu der von Leuenberger tolerierten Expansion ins Ausland letztlich die sonst unaufhaltsame Privatisierung verhindert hat. Alles etwas kompliziert?

Der Autor ist Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz.

Endlich Anschluss an Gestern

bluewin
Von Lukas Hässig

Über ihr Bluewin TV strahlt die Swisscom bald Internet-Fernsehen aus. Das Hilfsprogramm kommt wohl zu spät – und ist doch das einzig sinnvolle.


Sieht nach Zukunft aus, hat aber wenig: Festnetz-Managementcenter der Swisscom in Zürich. Bild: Martin Ruetschi (Keystone)


Die Swisscom steht vor einem «Dilemma», von dem andere Firmen nur träumen können: Beim Schweizer Telekomkonzern liegt viel zu viel Bargeld nutzlos herum.Wie diese Milliarden zu verwenden sind, darüber streiten sich Finanzexperten und Swisscom-Führung seit Wochen. Erstere fordern einen «Goldregen» für die Aktionäre mittels hoher Einzelausschüttung, Letztere liebäugelt mit einer Expansion ins Ausland. Derzeit im Visier der Schweizer: die Ex- Monopolisten Irlands und Dänemarks.

Im öffentlichen Gezänk um die Swisscom-Kasse geht eine andere Weichenstellung vergessen, die für die Zukunft der Firma entscheidend wird. Die Nummer eins im Schweizer Telekommarkt baut derzeit unter Hochdruck ein drittes Standbein auf. Neben Telefon und Internet wird die Swisscom schon bald auch Fernsehprogramme und Kinofilme anbieten. Dafür investiert sie in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Franken. Im Dezember erfolgt der Startschuss, dann unterzieht eine Schar eigener Angestellter das neue Angebot mit dem Namen Bluewin TV einem Härtetest. Läuft alles nach Plan, kommt das erste Internet-Fernsehen im grossen Stil nächstes Jahr in die Schweizer Haushalte. Mit ihrer TV-Strategie ist die einstige Telefonmonopolistin spät dran, im Konkurrenzkampf gegen die Kabelnetzanbieterin Cablecom liegt sie zurück. Diese bietet ihren Kunden schon heute die drei Produkte Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand an. Wer das kann, macht das Rennen um den Kunden, ist die Branche überzeugt, weil der Abonnent immer weniger Lust habe, sich mit mehreren Anbietern herumzuschlagen.

Das Zusammenspiel von Sprache, Bild und Daten über ein und dasselbe Netz eröffnet neue Möglichkeiten. Beispielsweise kann dereinst das Aufzeichnen von TV-Sendungen mittels Handy programmiert werden. Oder Sendungen, die auf dem digitalen Recorder zu Hause aufgenommen wurden, können auf einem Mobilgerät angeschaut werden.

Für ihre Aufholjagd greift die Swisscom tief in die Taschen. Allein für die Firma CT Cinetrade AG, die neben Kinos auch ein Pay-TV-Angebot (Teleclub) und zahlreiche Filmrechte besitzt, soll das Unternehmen laut Branchenkennern über 100 Millionen Franken auf den Tisch gelegt haben. Hinzu kommen die Kosten, um das Netz fernsehtauglich zu machen. Die Swisscom äussert sich nicht zum Preis.

Die stolze Summe für eine mittelgrosse Firma zeigt, wie wichtig es in diesem Multimilliardengeschäft geworden ist, Zugriff auf möglichst viele Inhalte zu haben. «Content is king» heisst das im angelsächsischen Raum: Nur wer über eine grosse Zahl von Filmrechten verfügt, hat eine Chance auf neue Kunden. Bleiben diese fern, werden die hohen Investitionen für die neue Technologie zum finanziellen Waterloo.

Auf der Jagd nach Zuschauern kommt der Swisscom der neueste Trend zu Hilfe. Der heisst «Video on Demand» und meint das Abrufen von Filmen zu jeder Tages- und Nachtzeit über das Kabel oder das Internet. Es sind nicht mehr die privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen, die allein bestimmen, wann was über die Mattscheibe flimmert. In Zukunft wird der Kunde selbst entscheiden, wann er seinen Lieblingsfilm anschauen will. On demand eben – auf Abruf.


Kinozeit vertreiben

Das veränderte Kundenverhalten stellt die Wertschöpfungskette im Filmhandel auf den Kopf. Heute erfolgt die Verwertung noch nach einem streng geregelten zeitlichen Ablauf. Zuerst kommt der Start im Kino, dann folgt der DVD-Verleih (früher waren es Videokassetten). Erst wenn das Potenzial der Einzelkäufer – Kinogänger und DVD-Erwerber – maximal ausgeschöpft ist, steht die Massenverwertung via Fernsehen an. Den Anfang macht wiederum das höherpreisige Medium, das Bezahlfernsehen, bevor der Film schliesslich im sogenannten Free TV, einem frei zugänglichen Fernsehkanal, abgespielt wird. Wenn jetzt die Produktionskosten immer noch nicht eingespielt sind, gilt der Film als Verlustproduktion. Video on Demand (VOD) ermöglicht bisher undenkbare Verwertungsmodelle. So könnte der nächste James-Bond-Film am Tag vor dem Kinostart weltweit zum Abrufen per VOD angeboten werden. Ein einfaches Zahlenbeispiel illustriert die Dimensionen des neuen Vertriebswegs. Um Produktionskosten von, sagen wir, 50 Millionen Dollar auf einen Schlag einzuspielen, brauchte es weltweit nur 5 Millionen Zuschauer, denen der vorzeitige Konsum des neuen Bond-Films 10 Dollar Wert ist. Selbst wenn nur halb so viele Kunden dazu bereit sind, würde mit diesem Geschäftsmodell immer noch ein Grossteil der Produktionskosten innert kurzer Zeit eingespielt.

Für die traditionelle Filmverleihbranche bedeutet diese Entwicklung eine Gezeitenwende. Einer hat früh darauf reagiert. Stephan Sager, Eigentümer der Cinetrade, verkaufte seine Firma im Herbst 2004 an die Swisscom. Ohne starken Vertriebspartner wie den Telekomkonzern mit seinem eigenen Netz hätte Sagers Firma in der neuen Vertriebswelt ums Überleben zu kämpfen.

Für die Swisscom ist neben den Filmrechten das Know-how des Kenners der internationalen Filmbranche entscheidend. Deshalb verpflichtete sie Sager als Manager für ihr Filmgeschäft. Sager soll den Schweizern, die in Cannes und Hollywood unbekannt sind, die Türen zu den Filmproduzenten öffnen.

Was die Swisscom versucht, ist auch im Ausland im Gang. Der amerikanische Telekomriese AT&T setzt nach einer mehrjährigen Krise unter neuer Eigentümerschaft ebenfalls auf das Fernsehgeschäft mittels Internet-Technologie. Die Strategie von AT&T, Swisscom und anderen Grossen lautet: Konsumenten und Unternehmen über ein Netzwerk Bilder, Daten und Gespräche via mobile oder fixe Stationen anbieten.

Der Weg dahin ist steil. Laut AT&T wird in drei Jahren erst die Hälfte aller Haushalte Zugang zur neuen Technologie haben. «Viel zu spät», meinte kürzlich Brian Roberts, Chef des grössten US-Kabelnetzbetreibers Comcast. Er prophezeite den Telekomfirmen Gegenwind bei ihren TV-Aktivitäten. «Das gesamte Netzwerk neu aufzustellen, nur um ein Anbieter mehr in einem gesättigten Geschäft zu sein – mir ist schleierhaft, wie sich das je auszahlen soll.» Die Zweifel sind nicht allein Ausdruck von Konkurrenzdenken. Technische Anlaufschwierigkeiten zeigen, wie ambitiös die Fernsehinitiativen der Telekomfirmen sind. Bei der Swisscom waren anfangs zwei «Set-Top-Boxen» vor- gesehen, um Telefonanschluss und Fernsehapparat zu verbinden. Inzwischen genügt eine. Oder: Im Unterschied zum Kabelfernsehen werden nicht gleichzeitig Dutzende von TV-Programmen über das Kabel in die Haushalte gespeist – jeder Sender wird einzeln aus dem In- ternet abgerufen. Erste Tests zeigten aber, dass mindestens zwei Programme gleichzeitig verfügbar sein müssen – eines zum Anschauen, ein zweites zum Aufzeichnen.

Wie schwierig der TV-Einstieg auch ist – die Swisscom hat keine Alternativen. Will sie in ein paar Jahren wieder wachsen, muss sie den Rückgang im Kerngeschäft kompensieren. Der Druck der Konkurrenz von Cablecom über Sunrise bis zu Tele 2 wird dem Platzhirsch weiter zusetzen. Der Kampf hinterlässt Spuren in der Swisscom-Rechnung. Bis September brachen die Einnahmen im Fixnetz (Gespräche ab dem festen Anschluss zu Hause und das Surfen im Internet) um 6 Prozent ein. Weil die Umsätze in der Mobiltelefonie ebenfalls sinken, wird die Swisscom für das ganze Jahr weniger Umsatz ausweisen.

Es ist die Fortsetzung einer jahrelangen Schrumpfkur. Seit der Schweizer Telekommarkt liberalisiert wurde, ging der Personalbestand der Swisscom von weit über 20000 auf noch 15000 Mitarbeiter zurück. Unternähme die Schweizer Marktführerin nichts, würde der Negativtrend noch lange andauern.

Donnerstag, 1. Dezember 2005

Falsch verbunden

Weltwoche, Ausgabe 47

Die Swisscom gehört zu zwei Dritteln dem Staat. Geht sie im Ausland auf Einkaufstour, müssten wir alle mitbezahlen. Höchste Zeit, dass der Bund seine Aktien verkauft.

Als der Chef der British Telecom davon hörte, dass die Swisscom die irische Eircom übernehmen will, schlug er maliziös vor, die fusionierten Firmen doch «SwissEir» zu taufen. Es wäre vorschnell, dies nur als hinterhältigen Seitenhieb gegen einen potenziellen Konkurrenten zu deuten.

Wie einst bei der Swissair begannen die Probleme der Swisscom – schrumpfende Marktanteile und schrumpfende Margen – mit der Deregulierung. Der Staatsbetrieb verlor sein Monopol, das ihm jahrzehntelang zu hohe Gewinne und den Konsumenten zu hohe Preise verschafft hatte. Wie damals die Swissair muss sich die Swisscom seither auf ihrem lukrativen Markt gegen ausländische Konkurrenten behaupten. Wie die Swissair hat die Swisscom nur eine kleine Heimbasis und sucht ihr Heil jetzt darin, ausserhalb des Landes zu wachsen und ganz Europa nach Firmen abzugrasen, welche sie kaufen könnte. Wie die Swissair, «die fliegende Bank», ist die Swisscom, «die Geldmaschine», heute bereit, sich dafür zu verschulden – mit bis zu 22 Milliarden Franken. Und wie bei der Swissair ist der Bund (also die Bürger) bei der Swisscom beteiligt. Waren es bei der Airline am Schluss gerade einmal drei Prozent – was ihm eine Staatskrise eintrug – besitzt der Bund heute sogar zwei Drittel (66,1 Prozent) der Swisscom.

Es ist höchste Zeit, sich davon zu trennen. Verkauft der Bund seine Swisscom-Anteile jetzt, sind sie noch 18 Milliarden Franken wert. Loslassen befreit gleich doppelt: Die Swisscom kann dann ohne politische Fesseln jedes unternehmerische Risiko eingehen, das ihr sinnvoll erscheint. Und der Bundesrat schafft ein für alle Mal die Gefahr aus der Welt, erneut Milliarden zu verlieren und als Krisenmanager agieren zu müssen.


Die letzte Eile

Die Swisscom-Führung unter Jens Alder, die sich lange durch Zurückhaltung auszeichnete und damit manche teure Dummheit vermied, vermittelt derzeit einen unüblich gehetzten Eindruck. Wann immer in Europa eine Telefongesellschaft verkauft werden soll, werden die Schweizer als Bewerber genannt – ob in Irland, Dänemark oder den Niederlanden. In Tschechien und Österreich haben sie es auch versucht und einen Korb gekriegt. Ständig, sagt Alder nicht ohne Stolz, prüfe er mindestens drei mögliche Kaufobjekte zugleich. Die Filetstücke aber wurden bereits in den letzten Jahren verteilt. Und um die wenigen übrig gebliebenen Firmen buhlen derzeit viele willige Käufer mit viel Geld, was deren Preis in ungeahnte Höhen treibt – wie jüngst in Tschechien, wo die Swisscom von der spanischen Telefonica ausgebootet wurde.

Auffallend dabei ist, dass sich kaum ein Experte findet, der die Shoppingtour der Swisscom goutiert. Eine strategische Logik der Expansion ist nicht erkennbar, weil das Zusammengehen von Ex-Monopolisten, die alle unter dem gleichen Konkurrenzdruck leiden, weder bedeutende Synergien noch komplementäre Einkünfte verspricht. Einzig als Finanzinvestition macht eine Expansion ins Ausland Sinn, denn die Swisscom sitzt auf sehr viel Bargeld, ja sie möchte sich sogar verschulden. Es scheint für sie bei den historisch tiefen Zinsen am rentabelsten, Fremdkapital aufzunehmen. Und mit Schulden, schöner Nebeneffekt, muss sie dem Staat, ihrem Mehrheitsaktionär, weniger Steuern bezahlen. Das allein schon zeigt die schizophrene Lage, in welcher der Bund als Swisscom-Aktionär steckt. Als Eigentümer eines Unternehmens muss er daran interessiert sein, möglichst wenig Steuern zu bezahlen, als Staat, möglichst viel zu bekommen. Gleichzeitig reguliert der Bund die Branche, was ihn in Interessenkonflikte bringt. Ob es nun um die letzte Meile geht oder um den härtesten Swisscom-Konkurrenten, die Cablecom – als Besitzer muss der Bund ein Interesse an einer starken Swisscom haben, als Regulator muss er für einen fairen Wettbewerb sorgen, von dem die Konsumenten profitieren. Vom Verkauf der Bundesbeteiligung können die Swisscom und «der Staat» nur gewinnen. Denn eine Investition von 18 Milliarden Franken in einen einzigen Titel ist aus Sicht des Bürgers ein «Klumpenrisiko». So sank der Börsenkurs der Swisscom in diesem Jahr um sechs Prozent – mitten in einer Hausse, die den Index um dreissig Prozent steigen liess. Für eine derartige Performance gehörte jeder Vermögensverwalter, jeder Pensionskassenmanager gefeuert. Auch die Zukunft sieht für die Swisscom nicht gerade vielversprechend aus. Ihr Kerngeschäft – Fixnetz, Internet und Handy – schrumpft, die Tarife sinken und sinken. Und die Internet-Telefonie, erst in ihren Anfängen, wird die Branche noch erschüttern.

Die Swisscom und nicht der Bundesrat muss in dieser wenig komfortablen Situation selber wissen, ob es ihr hilft, mit viel Geld ins Ausland zu expandieren. Tut sie, was ihr betriebswirtschaftlich oder wegen besserer Karriereperspektiven der Manager als nötig erscheint, dann bitte ohne Steuergelder. Hat sie Erfolg, wird sie weiterhin gute Arbeitsplätze bieten, gute Produkte schaffen und gute Steuern bezahlen. Geht das Auslandabenteuer in die Hose, wie vor zehn Jahren in Malaysia und in Indien, dann kann zumindest niemand fragen, was der Schweizer «Service public» eigentlich in Dublin, Kopenhagen oder Amsterdam zu suchen hatte.

Zweck vom Sonnendeck

Das Sonnendeck dient mir als Abstellplatz wichtiger Habseligkeiten wie auch überflüssigen Ballasts. Daneben lässt sichs aber auch ganz gemütlich liegen und der Gelassenheit frönen.

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